Aufbau und Bauformen
Der Ton entsteht beim Saxophon durch ein schwingendes Rohrblatt (wie z. B. auch bei der Klarinette). Deswegen zählt das Saxophon zu den Holzblasinstrumenten und nicht, wie sich durch das Material des Korpus vermuten ließe, zu den Blechblasinstrumenten.
Das Saxophon ist in vier Einzelteile zerlegbar:
- das Rohrblatt
- das Mundstück mit der Blattschraube
- den S-Bogen (bei vielen Sopransaxophnonen nicht vom Korpus abnehmbar)
- den Korpus
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Zwei verschiedene Mundstücke eines Tenorsaxophons mit Rohrblättern |
Zum Spielen hängt das Instrument meist an einem Tragriemen (Hasengurt), den sich der Spieler um den Hals hängt. Insbesondere für größere Instrumente ab Baritonsaxophon und tiefer gibt es auch Rücken- oder Schultergurte. Diese setzen sich wegen des höheren Tragekomforts in jüngerer Zeit auch vermehrt beim Tenorsaxophon durch. Das Sopransaxophon und insbesondere das Sopraninosaxophon in gerader Bauform werden auch ohne Trageriemen gespielt.
| Im Bild rechts daneben sind die verschiedenen Saxophonbauarten abgebildet: v.l.n.r: Bass-, Bariton-, Tenor-, Alt-, Sopran- und Sopraninosaxophon | ![]() |
Die Ähnlichkeit von Saxophon und Klarinette wird oft betont. Das Saxophon überbläst das erste Mal jedoch nicht wie die Klarinette in die Duodezime, sondern wie die Querflöte oder Oboe in die Oktave. Dies wird durch den konischen Verlauf der Schallröhre (eng am Mundstück und sehr weit am Schallbecher) verursacht. Die Griffe entsprechen denen einer B-Klarinette mit Boehm-System von den Tönen d’’ – h’’’. Grifftechnisch ist das Instrument auch mit der modernen Querflöte verwandt.
Adolphe Sax konzipierte das Saxophon bei seiner Patentanmeldung 1846 in den Stimmlagen von Sopran bis Subkontrabass, abwechselnd im Quart-/Quintabstand. Dabei sah er die C/F-Stimmung für den Gebrauch im Sinfonieorchester vor, während die B/Es-Stimmung für die Militärmusik gedacht war. Die C- und F-Instrumente werden heute so gut wie nicht mehr hergestellt und hatten nie die Bedeutung, die sie nach ihrem Erfinder hätten haben sollen. Einzig das Tenorsaxophon in C, das sogenannte C-Melody-Saxophon, wurde bis in die 1950-er Jahre gebaut und im Jazz viel verwendet.
| Bauform | Stimmung | notiertes c1 klingt als | klingender Tonumfang |
| Soprillo | B | b1 | as1 – des4 |
| Sopranino | F | f1 | es1 – b3 |
| Es | es1 | des1 – as3 | |
| Sopran | C | c1 | b0 – f3 |
| B | b0 | as0 – es3 (e3) | |
| Alt | F | f0 | es0 – b2 |
| Es | es0 | des0 – as2 (a2) | |
| Tenor | C | c0 | B – f2 |
| B | B | As – es2 (e2) | |
| Bariton | Es | Es | (C) Des – a1 |
| Bass | B | B1 | As1 – e1 |
| Kontrabass | Es | Es1 | (C) Des1 – a0 |
| Subkontrabass | B | B2 | As2 – e0 |
Am häufigsten in Gebrauch sind Alt- und Tenorsaxophon, gefolgt von Sopran und Bariton, während die Varianten in den extremen Lagen manchmal solistisch oder zur Bereicherung der Klangfarben in größeren Ensembles eingesetzt werden.
Weitere Bauformen
Seit Anfang dieses Jahrtausends gibt es sogar ein noch kleineres Saxophon als das Sopranino: Das Soprillo in B-Stimmung, in gerader Bauform mit Applikatur bis zum hohen Es, bei normalem Fingersatz. Eine Besonderheit ist die obere Oktavklappe, die im Mundstück eingebaut ist. Die Schallröhre des Soprillos hat eine Länge von 30 cm.
Etwa seit der gleichen Zeit gibt es auch sehr gut spielbare Kontrabass- und Subkontrabassaxophone. Ihre Bauform weicht etwas von der klassischen Form ab: Das Hauptrohr ist nochmals verschlungen. Dadurch werden diese Instrumente sehr kompakt: Das Kontrabassaxophon ist nicht im Gehen spielbar. Das Subkontrabassaxophon in B dieser von ihrem Erfinder Benedikt Eppelsheim „Tubax“ genannten Bauform wird im Ständer gespielt. Beide weisen auf Grund ihrer engen Mensurierung einen geringen Luftverbrauch auf, wodurch auch die Intonation vereinfacht wird.
Die Beweglichkeit und Vielseitigkeit des Saxophons führte zu zahlreichen Experimenten. Das Conn-O-Sax (um 1928) wurde in einer geraden Form mit einem bauchigen Schallstück gebaut. Die gerade Form des Saxophones verleiht dem Saxophon einen oboenartigen Klang. Beim Conn-O-Sax wird durch das kugelartige Schallstück der nasale Klang eines Doppelrohrblattinstruments (Oboe, Englischhorn oder Fagott) erreicht. Die Stimmung dieses Instruments ist gleich der Stimmung des Englischhorns, nämlich F, liegt dadurch also einen Ganzton höher als die des Altsaxophons in Es, und entspricht den Ambitionen von Sax, ein symphonieorchestertaugliches Instrument zu generieren. Obwohl die Vorteile gegenüber einem Englischhorn überwiegen, hat sich das Instrument nicht durchgesetzt.
Eine andere Entwicklung des Saxophons war, dass man versuchte das Saxophon aus Holz zu bauen, um einen hölzernen Klang zu erzielen. Diese Formen sind kaum bekannt, weil sie instrumentenbaulich sehr schwer herzustellen sind, der Klarinette zu ähnlich sind und starke Intonationsprobleme aufweisen. Das Holzsaxophon ist dem ungarischen Tarogato sehr ähnlich.
Auch in Bezug auf die Technik zur Abdeckung der Tonlöcher wurden verschiedentlich neue Ansätze verfolgt. Der Regelfall ist auch heute noch die Verwendung hohler Metallklappen, die innen mit einem mit Leder überzogenen Filzpolster ausgefüllt sind. Das Material dieser Polster wurde im Zuge der technischen Entwicklung auch durch moderne Kunststoffmaterialien (Codera, TopTone oder Jim Schmidt (USA)) ersetzt, die gepolsterte Klappe ist jedoch bis heute Standard. Zur Verbesserung des Resonanzverhaltens werden bei den größeren Klappen verschiedene Auflagen aus Metall oder Kunststoff (sogenannte Resonatoren) verwendet, die auf das Polster aufgeklebt oder aufgenietet sein können.
Eine absolute Ausnahme stellt ein vorübergehend in der Zeit von 1938 bis 1941 von Selmer USA produziertes Saxophon dar: In Zusammenarbeit mit dem damals renommierten US-amerikanischen Hersteller Buescher wurde ein Saxophon ohne Klappenpolster („Padless“) entwickelt, bei dem die Dichtung der Tonlöcher durch einen Lederring am Tonloch selbst und die Verwendung absolut plangeschliffener Messingklappen erzielt wurde. Obwohl das Resonanzverhalten und die Ansprache des Modells als sehr gut beschrieben wurden, waren die dünnen Dichtungsringe auf die Dauer zu anfällig und das System verschwand wieder vom Markt.




